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Geschichte des Hauses Theresianumgasse 10

Ein Baumeister baut ein Haus in eigener Sache

Schluss-Stein

Der Schluss-Stein über dem Eingangstorbogen des Hauses. Auf dem Schild im unteren Teil der Plastik sind ein Zirkel, ein Geometrie-Dreieck und ein Maurerhammer dargestellt - Symbole des Baumeisters. Im oberen Teil sieht man Efeuranken - Symbol für Beständigkeit, Dauerhaftigkeit.

Über die Theresianumgasse

Die Theresianumgasse beginnt bei der Prinz Eugen-Straße zu zählen, sie reicht bis zur Favoritenstraße, wo sich das Theresianum befindet. Der Verlauf der Theresianumgasse war bereits im frühen 18. Jahrhundert als Feldweg vorhanden, deshalb hieß sie später auch Feldgasse. Sie bildete die Trennungslinie zwischen bebautem Terrain und der sog. Sand-Gstöttn. 1826 wurde sie als Gasse parzelliert, anschließend verbaut, um 1860 erhielt sie den heutigen Namen Theresianumgasse.

Über das Haus

Das Haus wurde im Jahr 1859 von Stadtbaumeister Jakob Flucher (1814-1892) als Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Er wohnte mit seiner Familie an dieser Adresse, die auch der Standort der Baufirma war. Flucher war auch Bauschätzmeister und von 1875-1884 Abgeordneter zum Gemeinderat der Stadt Wien.

In seiner Frühzeit (1859 bis 1862) beherbergte das Haus das "Photographische Atelier" von Ludwig Angerer - ab 1860 k. k. Hof-Photograph. Er war der Fotograf gekrönter Häupter, Künstler, Politiker und Wissenschafter aus dem In- und Ausland.

 


Gedankliche Rekonstruktion
der Fassade zur Bauzeit

   
Das Haus gehörte lange Zeit den Familien Thommen und Reiner und stand in den 1920er Jahren kurz im Eigentum von Camillo Castiglione. Ein Anteil des Hauses wurde 1940 dem Eigentümer entzogen (sog. Arisierung) und 1946 restituiert. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Theresianumgasse und auch das Haus No. 10 beschädigt.  


Theresianumgasse um 1910


Die neu adaptierte Fassade
aus dem Jahr 1950

Der Straßentrakt wurde in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts neu adaptiert und die Fassade erneuert. In diese Zeit fällt auch eine Teilung und damit Verkleinerung des Grundstücks.

Bis in die Gegenwart fanden keine wesentlichen Revitalisierungsarbeiten statt. Im Jahr 2003 wurden Haus und Grundstück zur Vorbereitung des Projekts "dacHausbau" neu vermessen und Pläne angefertigt.

2 Projekte - eine Wohnungsadaptierung und die Gestaltung eines Studios- wurden durch den Innenarchitekten Jörgen Larsson realisiert.

 

Über die Nachbarn

Etwas später (1871) als das Haus Theresianumgasse 10 wurde auf Nr. 14-16 das Palais Nathaniel Rothschild erbaut.

Das Palais Rothschild in der Bauphase und ein paar Jahre später
Bildquellen: The Rothschild Archive London

Nachdem es im 2. Weltkrieg beschädigt und in der Folge abgerissen wurde, steht heute an seinem Platz das Bildungszentrum der Arbeiterkammer.

Erhalten ist noch ein Nebengebäude mit Stallungen in der Plösslgasse - umgebaut zur Filiale einer Lebensmittelkette.

ehemalige Pferdetränke
ehemalige Pferdetränke
Die Lebensmittel-Filiale von außen und der Flaschenrückgabeautomat
- vielleicht die ehemalige Pferdetränke?